In einem Alltag der morgens um 7 Uhr anfängt und abends um 22 Uhr aufhört, bzw. dann in den Bereitschaftsdienst übergeht, komme ich meistens zu kurz. Manchmal weiß ich nichtmal was mir gut tun würde, um meine ständige Anspannung, meine ständigen Sorgen und meine ständige Angst zu reduzieren.

Gestern war ich tagsüber das erste Mal alleine für eine halbe Stunde spazieren. Habe achtsam den Vögeln gelauscht, einen Schwan auf dem See beobachtet und habe bewusst geatmet. Ich habe mich geerdet. Heute habe ich das wiederholt.

Sei im Hier und Jetzt. Achte auf dich. Für dich selbst und für deine Lieben.
Quelle: Pixabay

Doch gerade in Zeiten wie diesen fällt es mir besonders schwer auf mich zu achten. Meine Bedürfnisse überhaupt wahrzunehmen und für mich zu sorgen. Aufgrund meiner Borderline-Diagnose habe ich zwei Jahre lang ein DBT-Programm* absolviert. Achtsamkeit wird in dieser Therapieform groß geschrieben und erst Jahre nach dieser Therapie habe ich begriffen, wie wichtig es ist, auch achtsam mit sich umzugehen. Das schaffe ich wirklich selten, aber immerhin ist mir bewusst, wie wichtig es theoretisch ist. An der Umsetzung arbeite ich noch.

Macht euch am Abend vor dem Schlafengehen doch eine Liste mit drei Dingen, die ihr euch am nächsten Tag Gutes tun wollt. Es müssen nicht die großen Dinge sein, aber versucht euch bewusst Zeit für euch zu schaffen, so wie es in eurem Alltag möglich ist. Auch ich habe immer gesagt: “Für sowas habe ich keine Zeit” oder “Erstmal kommen die Kinder und mein Mann dran, bevor ich mich um mich kümmere.” Aber meistens profitiert man nicht nur selbst davon, sondern vor allem die Menschen, die einem am nächsten sind, mit denen man aktuell den ganzen Tag verbringt.

Heute war ich vormittags eine halbe Stunde draußen. Ich habe mir eine Bank in der Sonne gesucht und mein Buch gelesen. Ich stehe momentan total auf die Bücher von Sebastian Fitzek. Vielleicht lese ich gleich noch ein paar Seiten, weil “Das Paket” gerade so spannend ist. Außerdem habe ich heute online einen Picknickkorb bestellt. Ich freue mich so auf die Zeiten, in denen wir mit Proviant bepackt eine Fahrradtour machen werden. Allein der Gedanke daran tat schon gut. Dann habe ich bei einem Klassenkameraden von Leonie ein Heft abgegeben, dass sie sich vor Corona bei ihm ausgeliehen hat. Aus sicherer Entfernung habe ich mich ein paar Minten mit der Mutter unterhalten und es tat wirklich gut. Und gerade eben habe ich mit meiner besten Freundin telefoniert, während ich in Ruhe ein Glas Wein getrunken habe. Eine Stunde lang, während mein Mann die Kinder ins Bett gebracht hat.

Nehmt euch diese Zeit! Sie ist wertvoll. Viel wertvoller als ihr denkt. Wenn ihr keine oder nur wenige Ideen habt, was ihr in dieser Zeit tun könnt, ist hier eine Liste** aus dem DBT-Programm mit “angenehmen Aktivitäten”. Da ist sicher etwas dabei, was euch zusagt, auch wenn lange nicht alles aktuell umsetzbar ist. Probiert es aus.

*) Die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) wurde in den achtziger Jahren von Marsha M. Linehan als störungsspezifisches Konzept zur Behandlung von chronisch suizidalen PatientInnen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) entwickelt. Die Basis der DBT stellt die kognitive Verhaltenstherapie dar.

**) Quelle: https://www.fragen-therapie.de/uploads/media/Angenehme_Aktivitaeten.pdf

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