Heute waren wir im Wald. Nicht, dass wir sonst nie in den Wald gehen, doch vor dem Kontaktverbot und Corona waren wir am Wochenende recht häufig im Schwimmbad, im Indoorspielplatz, im Zoo oder mal im Kino. Dass das alles momentan nicht geht, haben die Kinder verstanden. Trotzdem kommt jeden morgen die Frage “Was machen wir heute?” und jeder Tag endet mit der Frage “Was machen wir morgen?” und zwischendrin am Tag wird immer wieder gefragt “Was machen wir jetzt?” Vor allem Brian braucht immer einen Plan. Eine Aktivität nach der anderen.

Wenn die Antwort auf die Fragen ist “Wir bleiben mal Zuhause, räumen auf, können später mal noch ein Spiel spielen oder gehen vielleicht in den Garten”, ist das nicht genug. Generell gibt Brian mir oft das Gefühl, ihm nicht genug zu bieten. Aber das muss ich ja nicht mitmachen. Er muss auch lernen, dass man nicht den ganzen Tag durchgeplant haben muss und nicht jedes Wochenende jede Menge Geld in Freizeiteinrichtungen pumpen kann. Denn auch das liebe Geld ist irgendwann mal alle.

Diese Ansprüche haben sich gewandelt. In meinen Augen ist das ein positiver Aspekt, den die Krise mit sich gebracht hat. Auf einmal ist ein Waldspaziergang, ein Spielenachmittag Zuhause oder eine Stunde im Garten das absolute Highlight und ich frage mich, wieso ich früher jedes Wochenende so viel Energie dafür verschwendet habe, den Kindern ein ausgeklügeltes Freizeitprogramm zu bieten. Den Zirkus mache ich nach Corona jedenfalls nicht mehr mit. Jedenfalls nicht in dem Maße.

Mit Werkzeug und etwas Proviant bewaffnet ging es heute in den Wald zum “Kristalle klopfen”. Jeder Stein wurde umgedreht, wir haben ein Tipi aus Ästen gebaut, einen Geocashing-Punkt gefunden, Picknick gemacht und unsere Jüngste hat eine 1a Matschsuppe gekocht, denn unser Rastplatz lag an einem Bachlauf. Auf herkömmlichen Wanderwegen, auch wenn wir Eltern gerne wandern, wird oft gemeckert, es sei zu langweilig. Die Frage, wann wir endlich wieder nachhause gehen, wird oft gestellt und wenn wir dann wieder Zuhause sind, ist es auch nicht recht. So haben wir uns im Laufe der letzten Jahre angewöhnt, unsere Ausflüge in die Natur ADHS-freundlich zu gestalten. Wir laufen los, schauen, wo es uns gefällt, gehen viel querfeldein und entdecken jede Menge Dinge, die man auf den üblichen Wanderwegen nicht sehen würde.

Die Kinder waren heute so ausgelassen, haben sich kaum gestritten und ich konnte sogar ein paar Minuten in der Sonne die Augen schließen, den Vögeln zuhören und den Wind, der durch die Blätter weht wahrnehmen. Heute war ein guter Tag. Ein sehr guter sogar. Und mit diesem Gedanken, schließe ich diesen Text.

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