Es sind Osterferien. Zumindest theoretisch. Leonie hat in den letzten drei Wochen so viele Aufgaben von ihren Lehrern zugeschickt bekommen, dass sie vorne und hinten nicht fertig geworden ist. Wir haben immer zugesehen, dass die Aufgaben, die sie per Mail an die Lehrkräfte zurückschicken sollte, pünktlich bearbeitet waren und ansonsten haben wir in ihrem Tempo gearbeitet. Zwar nach Plan, der auch immer recht genau und strukturiert war, wenn das vorgenommene Pensum aber an diesem Tag nicht umsetzbar war, sind wir vom Plan auch mal abgewichen und haben am nächsten Tag weitergearbeitet.

Ein voller Stundenplan – trotz Ferien.

Jetzt ist jedenfalls noch einiges an Stoff aufzuholen und die Diskussionen begannen heute schon. Sie sollte ein Bild für den Deutschunterricht malen. Eigentlich eine Aufgabe, bei der ich dachte, dass sie sich darüber freut, schließlich malt und zeichnet Leonie sehr gerne und auch richtig gut. Aber allein die Tatsache, dass Brian mit seinem Lernpensum (1. Klasse) in den drei Wochen (dank Omas Hilfe) durchgekommen ist und er jetzt Ferien hat, hat gereicht um Frust und Ärger zu schieben. Absolut verständlich.

Jetzt haben wir zwei Möglichkeiten: Entweder wir machen jeden Tag ein bisschen und sie hat gar keine richtigen Ferien, oder wir “powern” die erste Woche in Leonies Tempo noch durch und sie hat wenigstens eine Woche Ferien ohne an die Schule denken zu müssen. Es ist echt doof und ich verstehe sie dahingehend so gut. Das Problem ist ja auch, dass ich nicht glaube, dass es nach den Ferien wieder normal weitergeht mit der Schule. Das heißt, der Berg an Homeschooling-Aufgaben wird sich weiterhin potenzieren und irgendwann verliert auch mein (vermutlich ADHS-) Gehirn den Überblick.

Und ich finde es unfair, dass jemand wie Leonie, der enorme Defizite in Sachen Selbstorganisation, Arbeitseinteilung und Konzentration hat, jetzt mit Ferienentzug darunter leiden muss. Das ist wie, wenn jemand mit Krücken einen Marathon laufen muss und die anderen Läufer mit gesunden Beinen alle schon im Biergarten ihr kühles Bier genießen, bevor die nächste Etappe losgeht. Und wenn er dann endlich im Biergarten angekommen ist, machen sich schon alle bereit für den nächsten Lauf und es bleibt nichtmal Zeit für eine Erfrischung, weil es gleich wieder weitergeht. Und dann frage ich mich immer, ob wir für Leonie die richtige Schule gewählt haben. Intelligent genug ist sie, da sind wir uns sicher. Doch ob sie den Ansprüchen standhalten kann, weiß ich manchmal nicht.

Unser Kultusminister Alexander Lorz hat vor ein paar Tagen in einem Interview mit dem Hessischen Rundfunk gesagt: “Ich will allen Eltern sagen: Machen Sie sich bitte keinen Kopf, wenn das Kind am Ende nicht alle Aufgaben perfekt gelöst hat oder den ganzen Stoff, der gekommen ist, in sich aufgenommen hat. Das holen wir in der Schule schon wieder rein.”

Ich habe das Gefühl, dass die Erwartungen, zumindest bei uns an der Schule andere sind. Und das setzt nicht nur Leonie unter Druck, sondern auch uns Eltern. Ich werde berichten, wie unser Ferienfrust weitergeht. Ich versuche jedenfalls die Tage abwechslungsreich zu gestalten, mit den Mitteln die wir haben.

Related Posts

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.