Medienkonsum und ADHS ist ein schwieriges Thema. Grenzsetzung ist gerade bei ADHS-Kindern in diesem Bereich sehr wichtig. Im Elterntraining haben wir gesagt bekommen, dass unser 7-Jähriger maximal eine Stunde am Tag Fernsehen oder an der Konsole spielen darf. Maximal eine Stunde.

Doch gilt das in Zeiten wie diesen auch noch? Vermutlich. Doch ist es im Alltag umzusetzen? Schwierig. Denn auch wir Eltern brauchen Pausen und für diese ist es natürlich einfach, das Kind mal eine Stunde vor dem Fernseher zu “parken”.

Bei Brian versuchen wir am Tag nicht auf über 1 1/2 Stunden zu kommen. Dafür habe ich auf meinem Handy eine App installiert, die dafür sorgt, dass die Konsole nach einer bestimmten Zeit von alleine ausgeht. Theater gibt es danach trotzdem. In der Zeit vor Corona war es eine Stunde am Tag.

Der Großteil von Leonies Medienkonsum findet an ihrem Smartphone statt. Das Gerät hat sie bekommen, als sie in der fünften Klasse war. Hier wird es für uns schon schwieriger, die Zeiten gut im Blick zu behalten. Bei den Hausaufgaben und während der Nacht wird das Handy in die Küche gelegt. Das ist Regeln, an die sie sich zu halten hat. Da sind wir streng.

Vor einer Woche etwa habe ich eine App auf ihrem Handy installiert, die ihr am Abend zeigt, wie lange sie tatsächlich dran war, denn (das kennen wir alle) am Handy vergeht die Zeit wie im Fluge und man bekommt gar nicht richtig mit, wie lange man schon davor sitzt. Abends versuche ich mit ihr die Zeiten zu reflektieren. Frage sie, wie sie ihren Konsum am Tag einschätzt und dann schauen wir gemeinsm nach der Dauer. Da ist sie manchmal wirklich überrascht und versucht sich selbst Ziele zu setzen, wie es ihr gelingt, den Konsum einzugrenzen. Aktuell ist es jeden Tag ihr Ziel unter zwei Stunden zu bleiben. Vor der Krise waren es eineinhalb Stunden, die als Richtlinie zu verstehen waren.

Leonie hat über verschiedene Messenger Kontakt zu ihren Omas und ihren Freunden, die sie sehr vermisst. Das ist ein Vorteil, den die Digitalisierung in zeiten wie diesen mit sich bringt. Sowas gab es im zweiten Weltkrieg oder zu Zeiten der Pest nicht und ich bin dankbar, dass Leonie so die Möglichkeit hat, trotz “social distancing” ihre Kontakte zu pflegen.

Heute Abend haben wir als ganze Familie, als die Kleine schon im Bett war, eine Runde Mario Kart auf der Konsole gespielt. Das berechnen wir eher als Familienzeit und nicht als Medienzeit. Denn wir sind gemeinsam interaktiv, trainieren gewinnen und verlieren, Vergleiche möglichst zu unterlassen und wir lachen zusammen. Aus diesem Blickwinkel betrachtet sind “diese Medien” auch mal als ganz gut zu bewerten.

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