Kinderbetreuung – “nur” entlastend oder wirklich notwendig?

Die Ferien hier in Hessen sind seit zwei Wochen nun vorbei und die meisten Schüler und KiTa-Kinder lernen und spielen trotzdem Zuhause. Aber nicht alle Eltern können das leisten und ihre Kinder selbst betreuen. Aus gesundheitlichen, beruflichen oder anderen Gründen ist es notwendig, dass einzelne Kinder in die Schule oder die Kita gehen. In Hessen ist das möglich. Jedenfalls für Kinder bis zur 6. Klasse. Und heute geht es darum, warum ich dieses Angebot annehme und versuche dabei kein schlechtes Gewissen zu haben.

In Hessen und einigen anderen Bundesländern dürfen Kinder bis zur 6. Klasse trotz Lockdown die Schule besuchen. Bildquelle: Pixabay

In einem Bericht aus dem Ticker der Hessenschau vom 20.1.20 heißt es: “Die Kitas bleiben weiterhin offen. Wer sein Kind nicht zuhause betreuen kann, darf es in die Kita bringen. Auch in den Schulen bleibt alles, wie es ist. Die Präsenzpflicht ist aufgehoben, Kinder der Jahrgangsstufen 1 bis 6 können die Schule besuchen. Das Land empfiehlt jedoch dringend, die Kinder zuhause zu lassen. Ab Klasse 7 findet Distanzunterricht statt, mit Ausnahme der Abschlussklassen.”

So. Und was mache ich jetzt als Mutter/Vater damit? Klingt doch gut für Familien, in denen die Eltern arbeiten. Aber wenn das jetzt alle machen… Wer sollte dieses Angebot ohne schlechtes Gewissen annehmen dürfen? Eine Familie in der der Vater Altenpfleger ist und die Mutter Chirurgin? Oder ist es auch okay, wenn die alleinerziehende Mutter, die derzeit in Kurzarbeit ist ihr Kind trotzdem ganztags in den Kindergarten bringt, weil sie endlich mal durchatmen muss bevor sie durchdreht?

Ich bringe meine Jüngste in den Kindergarten und auch mein Zweitklässler Brian geht in die Schule. Denn wir BRAUCHEN das. Das hat nichts mit Bequemlichkeit zu tun. Es geht nicht anders. Leonie ist mit ihrem Online-Unterricht und ihrem ADHS wieder sehr am kämpfen, mein Mann ist im Homeoffice und meine psychischen Erkrankungen werden durch die aktuelle Situation auch immer lauter. Und jetzt erwische ich mich dabei, wie ich schon wieder ein schlechtes Gewissen bekomme. Doch warum keine Hilfe annehmen, wenn es sie gibt?

Ich habe vor einer Woche einen ganz tollen Text zum Thema auf Instagram gelesen. Die liebe raising.rowdys beschreibt ganz gut das Problem. Auch wenn viele von uns Eltern vor ähnlichen Herausforderungen stehen momentan, ist die Belastungsgrenze jedes Einzelnen und jede Situation individuell. Wir kennen nicht ins Detail die berufliche Situation eines Vaters, die Krankengeschichte einer Mutter oder den Bericht der Familienhilfe des ortsansässigen Jugendamtes. Jede Familie, die sich momentan dazu entscheidet den Nachwuchs in die Kita oder die Schule zu schicken sollte sich fragen: Entlastet mich das “nur”, oder ist die Betreuung notwendig?

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