Einfache Achtsamkeitsübungen für Kinder mit ADHS

Heute geht es um Achtsamkeit. Immer wieder merke ich, wie meine beiden ADHS-Kids so viel wahrnehmen, was um sie herum geschieht, diese vielen Dinge aber nicht einordnen können. Diese Reizfilterschwäche führt automatisch zu einer Reizüberflutung. Also versuche ich diese positive Eigenschaft des intensiven Wahrnehmens zu nutzen und baue immer mal wieder Achtsamkeitsübungen in unseren Alltag ein. Mal ganz bewusst mit den Worten: “Kommt, wir spüren jetzt mal…” oder “Lasst uns doch mal eine Achtsamkeitsübung machen…” Bei Leonie funktioniert das oft ganz gut und sie versucht sich auf die Übungen einzulassen. Bei Brian muss ich oft den spielerischen Weg gehen. Hier ein paar Ideen, wie man das Thema Achtsamkeit im Alltag spielerisch angehen kann und die Kids mal zum Innehalten animiert in diesen turbulenten Zeiten der Corona-Pandemie.

Achtsam wahrnehmen und aktiv spüren. Kleine Übungen sind im Alltag gut zu integrieren.

1. Baut euch euren eigenen Barfußpfad

Natürlich funktioniert das im Freien besser. Schuhe aus und los gehts. Ab durch den Sandkasten, die Wiese, über einen Stein und am besten noch durch Omas Blumenbeet. Fragt euer Kind immer wieder “Wie fühlt sich das an?”, “Ist die Wiese weich oder hart? Kalt oder warm?”, “Ist die Erde im Blumenbeet feucht oder trocken?” Mit diesen konkreten Fragen, gebt ihr eurem Kind eine kleine Hilfestellung. Im nächsten Level, fragt man dann nur noch “Wie fühlt sich das an?” Das klappt bei Leonie inzwischen schon gut. Was an diesem “Barfußpfad” toll ist, er fühlt sich jedes Mal anders an. Je nach Temperatur oder wenn es geregnet hat oder die Wiese etwas gewachsen ist.

Wer keinen Garten hat oder bei schlechtem Wetter, kann das Ganze natürlich auch drinnen stattfinden. Man nehme zum Beispiel ein paar Legosteine, ein paar Kissen/Decken oder Kuscheltiere, Handtücher oder was der Haushalt oder das Kinderzimmer noch so hergibt. Natürlich sollten die Sachen dabei nicht kaputt gehen.

2. Wer hört mehr?

Es ist Frühling und die Vögel zwitschern. Vielleicht bellt ein Hund in der Nachbarschaft und von Ferne hört man einen Helikopter oder die Autobahn rauschen. Es gibt so viele Geräusche, die wir immer so nebenbei hören, aber nie bewusst wahrnehmen. Also spiele ich mit den Kindern manchmal “Wer hört mehr?”

Vogelgezwitscher ist gerade im Frühling ein besonders interessantes Geräusch

Wir sitzen im Garten, im Wald oder gehen spazieren und halten kurz inne. Schließen die Augen und die Aufgabe ist es, sich ganz genau darauf zu konzentrieren, welche Geräusche man wahrnimmt und diese auch im Kopf zu benennen. Also im Kopf sagen “Ich höre ein Auto fahren”, “Ich höre, wie der Bach plätschert” oder “Ich höre, wie die Vögel zwitschern”. Die Geräusche werden gezählt und dann, ähnlich wie bei Stadt-Land-Fluss mit den Geräuschen verglichen, die die anderen gehört haben. Hat jemand mehr gehört? Und höre ich das Geräusch, das mir eben nicht aufgefallen ist auch?

Die nächste Schwierigkeitsstufe ist dann z.B. Wie viele unterschiedliche Vögel höre ich singen? Oder: Welche unterschiedlichen Fahrzeuge kann ich hören (Bagger, Auto, Motorrad etc.)?

3. Auf den Rücken malen und raten

Das Kind legt sich auf den Bauch und schließt die Augen. Je nach Sensibilität des Kindes, hilft es, das Oberteil auszuziehen, dass das Kind besser spüren kann. Dann überlegt sich der Erwachsene oder der entsprechende Partner (das können auch Freunde oder die Geschwister sein) einen Gegenstand oder ein Tier, das er dem Kind auf den Rücken malt. Das Kind muss sich zwangsläufig konzentrieren und ganz genau die Berührung auf der Haut spüren. Achtsam diesen Reiz wahrnehmen.

Anschließend kann das Kind raten, was gemalt wurde und dann wird natürlich getauscht. Mit Brian machen wir meist eine ungerade Anzahl an Wechseln, dass am Ende der mit den meisten richtig geratenen Begriffen “gewinnt”. Der Wettbewerb ist ihm oft sehr wichtig und außerdem üben wir so auch mal das Verlieren. Da ist bei ihm nämlich noch Luft nach oben.

Die fünf Sinne immer wieder ansprechen

Ich versuche auch immer die Kinder zum aktiven Wahrnehmen zu animieren. Wenn wir beispielsweise Kuchen backen und den Teig kneten, frage ich, wie sich das anfühlt. Genauso kann man bei einem Spaziergang an Blumen riechen und fragen, wie es riecht oder an welchen Geruch die Blume erinnert. Es gibt so viele Möglichkeiten, die gar nicht viel Zeit kosten und easy in den Alltag integriert werden können.

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