Achterbahnfahrt – Ich glaub´ ich dreh´ bald durch

Die Überschrift sagt schon viel aus. So langsam wird es immer schwieriger, den Kindern gerecht zu werden, die Schule im Blick zu haben, die Langeweile der Kids aufzufangen, ihre Impulse auszuhalten, meinen eigenen Erkrankungen nicht zu viel Raum zu geben und den Haushalt zu schmeißen. Ein klarer Fall von Überforderung. Denn: Wir alle sind gereizt. Und wenn man selbst gereizt ist, sind es die Kinder auch und alle sind empfindlicher, angreifbarer und steigen schneller auf Konflikte und Streitereien ein als sonst. Und das alles war auch der Grund, weshalb von mir hier in den letzten zwei Wochen nicht so viel kam.

Auch wenn die Abfahrt sich aktuell unendlich anfühlt: Es geht auch wieder bergauf und die Runde ist irgendwann zu Ende.

Ich möchte in diesem Post jetzt auch mal ein bisschen jammern, denn das gehört dazu und tut mir gerade gut. Wem es auch so geht und das Gefühl braucht, nicht alleine damit zu sein, darf gerne weiterlesen. Wem das Gejammer von aktuell allen Seiten auf die Nerven geht, liest vielleicht einfach einen alten Post oder wartet auf einen neuen, der bestimmt etwas positiver sein wird. Schließlich möchte ich hier eher bestärken, anstatt schlechte Laune zu verbreiten.

Gestern war ich mit Leonie in einem Einkaufszentrum. Bewaffnet mit Atemschutzmasken sind wir auf die Suche nach Sandalen für einen Teenager gegangen. Auch in “normalen” Zeiten kein leichtes Unterfangen. Immerhin war in dem Zentrum nicht viel los. Zum einen hat mich das beruhigt, zum anderen hat es bei mir sofort wieder für ein schlechtes Gewissen gesorgt. Warum zur Hölle komme ich in diesen Zeiten auf die Idee ein Einkaufszentrum zu besuchen, wenn alle Welt versucht ein Kontaktverbot einzuhalten und ein sich schnell verbreitetes Virus aufzuhalten. Und ich? Gehe shoppen.

Die Stimmung war mehr als bedrückend. Viele Läden hatten natürlich noch zu, was aber kein Problem war. Doch die vielen Absperrbänder, die Schutzwände aus Plexiglas und die Menschen mit Masken, haben mir zu denken gegeben. Auch Leonie war verunsichert und hat immer wieder gesagt “Mama, das alles macht mir Angst.” Mir auch. Doch ich muss doch stark sein vor dem Kind. Darf mir meine Ängste und Sorgen darüber, wie das alles weitergehen soll, nicht anmerken lassen. Doch ist das wirklich so? Darf ich mir das nicht anmerken lassen, nur um mein Kind zu schützen? Oder ist es nicht gerade wichtig, auch zu vermitteln, dass wir Erwachsene auch nur schwer mit der Situation umgehen können? Gestern habe ich darauf keine Antwort mehr gefunden. Ich weiß es nicht.

Auf der anderen Seite tat mir der Besuch gut. Mit Leonie Zeit zu verbringen, ihr 100 prozentige Aufmerksamkeit zu schenken, hat nicht nur ihr, sondern auch mir gut getan. Aber auch ich kann langsam nicht mehr. Es wird immer schwerer auszuhalten und ich ertappe mich immer wieder selbst dabei, die Lockerungen zu locker zu sehen. Die Kinder vermissen ihre Großeltern väterlicherseits enorm. Und auch von der Oma bekomme ich Nachrichten, die mir immer wieder zeigen, dass sie auch sehr darunter leidet, ihre Enkel nicht persönlich sehen zu können. Der Druck steigt. Soll ich ein Treffen arrangieren? Mein Mann sieht das entspannt und sagt ja. Ich finde es schwierig. Denn wenn ein Treffen stattfindet, waren die letzten fünf Wochen dann nicht umsonst?

Dann frage ich mich, ob ich nicht alles zu schwarz sehe. Ob meine Gefühle berechtigt sind. Ob das nicht alles nur daran liegt, dass ich unter einer emotionalen Persönlichkeitsstörung leide, Gefühle viel extremer wahrnehme als gesunde Menschen, ich meiner Depression zu viel Raum gebe und negative Gefühle viel mehr zulasse als sonst? Dann versuche ich mich zu beruhigen und mir zu sagen: Nein, es ist schwer. Du darfst dich auch schlecht fühlen. Mal pessimistisch sein. Du hast zwei Kinder mit ADHS, musst auf einmal Rollen einnehmen, die du zuvor nie gelernt hast. Auf einmal bist du Lehrerin, Therapeutin und musst die beste Freundin ersetzen. Und du bist nicht gesund. Du hast psychische Erkrankungen, die dich schon in einem “normalen” Alltag einschränken und jetzt umso mehr.

Es ist okay, auch als Erwachsener Ängste zu haben und sich in Zeiten wie diesen auch mal schlecht zu fühlen.

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